Die Geschichte der Broholmer   


reicht bis in die Wikingerzeit zurück. Archäologen fanden ein Hundeskelett in einem Wikingerdorf in Fyn (Dänemark). Größe und Typ entsprachen einem Broholmer. Man vermutet, dass die Wikinger während ihrer Besatzungszeit Englische Mastiffs nach Dänemark und Skandinavien mitgebracht haben. Im Allgemeinen nahm man an, dass die Wikinger nur spitzartige Hunde besaßen. Allerdings wurden an verschiedenen Plätzen auch Überreste von großen, schweren Hunden entdeckt.

Der Broholmer wurde als Wach- und Herdenschutzhund eingesetzt. Er bewachte und beschützte Bauernhöfe, Burgen, die Menschen und die Viehherden. Außerdem wurden die Hunde zum Viehtrieb eingesetzt. Sie begleiteten und führten die Rinder vom Lande in die Städte. Es ist bewiesen, dass der Broholmer auch bei der Jagd auf Bären eingesetzt wurde, als es diese noch in den Wäldern Dänemarks gab.

Die Zucht des Broholmers wurde von Frederik Sehested, Eigentümer des Anwesens zu Broholm auf der dänischen Insel Fyn, begründet. Ein wesentliches Zuchtziel war seinerzeit die Entwicklung eines großen, gelb-braunen Hundes nach dem Vorbild von Abbildungen von großen Hunden im Dänemark der frühen Neuzeit. Nach vielen Jahren mühseliger und intensiver Arbeit war Sehested erfolgreich. Um die Rasse weiter zu fördern und wieder zu verbreiten, verschenkte er die Welpen mit der Bedingung, dass die neuen Besitzer die Zucht weiterführen mussten.

Frederik Sehested, Gründer der Broholmerzucht

Dieses Konzept war sehr erfolgreich, denn der Broholmer erfreute sich rasch großer Beliebtheit und war schnell wieder weit verbreitet. Im alten, dänischen Hundebuch „Hunden og Hunderacene“ (erschienen 1887) wurde der Broholmer als in Dänemark allgemein bekannter Hund beschrieben. Besonders in Kopenhagen waren die Straßen voll von diesen Hunden. Dem Zuchtziel entsprechend, wurden diese Hunde ursprünglich nicht als Broholmer, sondern als „große Dänische Hunde“ bezeichnet. Was auch heute leider noch manchmal zu Verwechslungen führen kann, denn der „Great Dane“ (großer Däne) ist die englische Bezeichnung der Deutschen Dogge.

Zu Ehren von Nils Frederik Bernhard Sehesteds und in Anerkennung seiner Verdienste, nannte man die Rasse Broholmer. Nach seinem Anwesen Schloß Broholm in Gudme auf der Insel Fyn.

Schloß Broholm in Dänemark

König Frederik VII von Dänemark und seine Frau, die Herzogin Danner, waren ebenfalls Liebhaber dieser Rasse und so waren die Broholmer auch bekannt als Frederik VII’s Hund oder Jægersprisdog.

König Frederik VII von Dänemark und Herzogin Danner

Einer der Broholmer des Königs wurde sogar nach seinem Tod ausgestopft und im zoologischen Museum in Kopenhagen ausgestellt, wo man ihn auch heute noch bewundern kann.

Bei der ersten dänischen Hundeausstellung im Jahre 1886 wurde der erste Rassestandard für den Broholmer verfasst. Dieser Standard wurde durch den FCI im Jahre 1982 übernommen (also 96 Jahre später!). Es erfolgte nur eine kleine Anpassung für die Farbe schwarz, die heutzutage anerkannt ist.

1887 wurde die Rasse anerkannt als Rasse der dänischen Jagdgesellschaft und es erfolgte ein Zuchtbucheintrag als dänische Rasse mit der Bezeichnung Broholmeren. Auch andere Schichten der Gesellschaft wurden Liebhaber der Broholmer.

Einer der besten und treuesten Förderer der Rasse war ohne Zweifel der Zoologische Garten Kopenhagen.

 

Broholmer im Zoo von Kopenhagen

Dort wurden zwischen 1875 und 1929 Broholmer als Teil der tierischen Bewohner gehalten. Im Zoo wurden in diesen Jahren fast 400 Welpen geboren. Die Broholmer des Zoos waren sehr berühmt wegen ihrer Aufgabe als Ammen für die Löwenjungen. 

Broholmer Hündin als Amme für Löwenjunge

Seit 1900 wurden die schwarzen Broholmer im Tivoli als Wach- und Schutzhunde in der Nacht eingesetzt. Unglücklicherweise wurde der Broholmer wegen Krankheiten, Staupe und Inzuchtproblemen immer seltener. Sogar die heutzutage harmlose Räude führte damals zum Tode vieler Zuchttiere. Der Danish Kennel Club (DKK) hatte keinerlei Zuchteinträge mehr nach 1910. Allerdings gab es in der Danish Breed Union (DRU) Zuchteinträge sowie Hundeausstellungen der Broholmer bis 1939. Manche Stammbäume wurden bis ins Jahr 1956 geführt. 1940 galt ein alter Priester als der letzte Züchter Dänemarks. Die Situation wurde immer schlimmer durch den 2. Weltkrieg und der Züchter beschloss, auch wegen seines hohen Alters, die Zucht einzustellen. Die wirtschaftliche Lage der Menschen in Europa wurde auch den großen Hunderassen zum Problem. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt die Rasse als erloschen. Auf Grund einer Veröffentlichung in einer Hundezeitschrift wurde die Rasse 1974 wiederentdeckt. Außerhalb der offiziellen Hundewelt war er vereinzelt weiter gezüchtet worden und eine Leserin stellte den Kontakt zu einem Halter her. Dieser besaß einen Rüden, der voll dem Typ des historischen Broholmers des 19. Jahrhunderts entsprach, sich aber aufgrund seines Alters nicht mehr als zuchttauglich erwies. Infolge der damit verursachten Aufmerksamkeit meldeten sich jedoch weitere Hundefreunde, die noch Hunde besaßen, welche auf diesen Typ zurückgeführt werden konnten; insbesondere auf solche des schwarzen Farbschlages. Diese Farbe war inzwischen fast vergessen worden. Jedoch ließ sich anhand von Fotografien der Broholmer, die im Tivoli Park gehalten worden waren, nachweisen, dass es auch schwarze Broholmer gegeben hatte.

Der DKK gründete 1974 ein Zucht-Komitee mit dem Ziel der Wiederherstellung und Rekonstruktion des Dänischen Mastiffs in Form der Broholmer Rasse. In Verbindung mit dem allgemeinen Interesse und dem Austausch der Erfahrungen gelang es der Gesellschaft das Wissen um den Broholmer auszuweiten. 1982 war die Rasse wieder so weit stabilisiert, dass die FCI den Broholmer anerkannte (FCI Standard Nr. 315).